Rechte Hetze beschränkt sich nicht mehr auf Neonazi-Aufmärsche sondern wird über das Internet zu einem Alltagsphänomen. Nach neuen Wegen der Prävention sucht daher das Landes-Demokratiezentrum auf einer Fachtagung in Celle.
Vor einer Ausbreitung rechter Hetze in Niedersachsen hat das Landes-Demokratiezentrum gewarnt. Rechte Parolen, fremdenfeindliche Äußerungen und diskriminierendes Verhalten seien längst nicht mehr nur in der rechtsextremen Szene zu hören, sagte der Leiter der für Prävention zuständigen Landeseinrichtung, Thomas Müller. Sie tauchten deshalb immer häufiger auch in Alltagssituationen auf. Verstärkt müssten deshalb die Ursachen für extremistische Einstellungen und nachhaltige Gegenstrategien in den Blick genommen werden.
Auf einer Fachtagung des Landes-Demokratiezentrums am Donnerstag (10.30 Uhr) in Celle suchen Experten nach neuen Strategien, um die Ausbreitung rechtsextremer Tendenzen in Niedersachsen zu verhindern. Ein Gutachten zur Extremismusprävention, dass in Celle vorgestellt werden soll, empfiehlt Maßnahmen gegen Rechtsextremismus bereits im Vor- und Grundschulalter. Erwartet werden zu der Tagung rund 200 Vertreter von Polizei, Schulen, Wissenschaft und Kommunen.
Zwar ist die Zahl der Rechtsextremisten in Niedersachsen weiter rückläufig, die Propaganda von Populisten aber greift im Internet immer weiter Raum. Diese schüren dort Hass gegen Fremde und insbesondere Muslime. Das Ergebnis sei, dass die Schwelle des Sagbaren sinke und der demokratische Grundkonsens in Gefahr gerate, warnt zumindest der Verfassungsschutz.
Während der Mitgliederschwund bei der rechtsextremen NPD anhält, ist eine Durchdringung der AfD mit Rechtsextremisten in Niedersachsen derzeit nicht festzustellen. Rechte Kameradschaften haben schon lange als Sammelbecken ausgedient. Durch das Internet haben sich die Verbreitungswege rechter Ideologie grundlegend verändert: Extremistische und populistische Strömungen vermischen sich auf einschlägigen Foren, wie der Verfassungsschutz beobachtet. (dpa, iQ)