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Chemnitz

Kulturschaffende fordern Gedenkort für NSU-Opfer

Anfang November jährt sich das Auffliegen der NSU-Terrorzelle zum zehnten Mal. In Chemnitz werden Forderungen nach einem Gedenkort für die NSU-Opfer und einem Dokumentationszentrum laut.

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Symbolbild: NSU-Opfer © AA, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: NSU-Opfer © AA, bearbeitet by iQ.

Kulturschaffende in Chemnitz dringen auf einen Gedenkort für die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU und die Schaffung eines Dokumentationszentrums. Chemnitz sei neben Köln die einzige Stadt mit direktem NSU-Bezug, die noch keinen solchen Gedenkort habe, sagte die Projektleiterin der Ausstellung „Offener Prozess“, Hannah Zimmermann, am Donnerstag. Auch die Direktorin des Chemnitzer Figurentheaters Gundula Hoffmann und der Dramaturg René Schmidt sprachen sich für einen Gedenkort in der künftigen Kulturhauptstadt Europas aus.

Im Rahmen des bundesweiten Theaterprojekts «Kein Schlussstrich!» zum NSU-Terror ist am 7. November eine Diskussionsrunde geplant, bei der über einen solchen Gedenkort debattiert werden soll. Dazu wird die Witwe des NSU-Mordopfers Mehmet Kubasik erwartet. Eine Anforderung sei, dass ein solches Denkmal sichtbar sein müsse in der Stadt, sagte Schmidt. Zudem müssten die Stimmen der Opfer im Vordergrund stehen. Wichtig sei, dass deren Angehörige in diesem Prozess maßgeblich beteiligt werden, erklärte Zimmermann. Hier könne Chemnitz aus den Erfahrungen anderer Städte lernen.

In Chemnitz fand das aus Jena stammende NSU-Trio nach seinem Abtauchen in den Untergrund Ende der 1990er Jahre mit Hilfe von Unterstützern zunächst Zuflucht und beschaffte sich Geld mit Raubüberfällen in der Region. Später kamen die Rechtsterroristen in Zwickau unter, wo es heute einen Gedenkort für die NSU-Opfer gibt. Sie ermordeten mindestens zehn Menschen – acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin.

10 Jahre nach Aufdeckung des NSU-Terrors

Das Auffliegen der Terrorzelle jährt sich Anfang November zum zehnten Mal. Deshalb setzen sich Theater bundesweit vom 21. Oktober bis 7. November mit dem Terror des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ auseinander. Mit dabei sind die Theater Chemnitz und Plauen-Zwickau. Das Figurentheater Chemnitz beteiligt sich etwa mit dem Stück „So glücklich, dass du Angst bekommst“ zur Geschichte vietnamesischer Vertragsarbeiterinnen. Es wird am 6. November uraufgeführt. In Zwickau hat am 22. Oktober das Schauspiel „Aus dem Nichts“ zum Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße Premiere – nach einem Film von Fatih Akin. In der Stadt ist auch ein zweitägiger Workshop zu Alltagsrassismus in Deutschland geplant.

Seit Ende September wird in der Ausstellung „Offener Prozess“ in der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz der NSU-Komplex thematisiert. Sie soll Ausgangspunkt für ein Dokumentationszentrum sein, das in Chemnitz oder Zwickau entstehen könnte, sagte Zimmermann. 2022 sei dafür eine Konzeptionsphase geplant und solle eine Machbarkeitsstudie ausgeschrieben werden. Das Zentrum soll etwa ein Archiv zur Geschichte des Rechtsterrorismus sowie des Widerstands dagegen beherbergen, ebenso wie Ausstellungs- und Versammlungsräume. Bei all dem gehe es stets auch um die Perspektive von Migranten, sagte die Soziologin. (dpa, iQ)