Stuttgart

Anschläge auf Moscheen geplant – Sechs Jahre Haft für Anführer der Gruppe S.

Das Mammutverfahren um eine rechte Terrorgruppe, die Anschläge auf Moscheen plante, ist zu Ende. Der Anführer der Gruppe S. muss mehrere Jahre in Haft.

30
11
2023
Terror Prozess Rechtsextremismus
Symbolbild: Terror © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Nach mehr als 170 Verhandlungstagen hat das Stuttgarter Oberlandesgericht den Rädelsführer einer rechtsextremen Terrorgruppe am Donnerstag zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der aus der Nähe von Augsburg stammende Werner S., nach dem die „Gruppe S.“ auch benannt ist, muss sechs Jahre ins Gefängnis, weil er nach Überzeugung des Gerichts eine Terrorgruppe gegründet hatte.

Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von sieben Jahren gefordert, die Verteidigung hatte auf einen Freispruch plädiert. Neben S. waren zehn weitere Mitglieder oder Unterstützer der Gruppe angeklagt. Sie wurden ebenfalls zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, teils auf Bewährung. Ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Anschläge auf Moscheen geplant

Das Gericht ist überzeugt davon, dass die Verurteilten eine rechtsextreme Terrorgruppe gegründet haben, darin Mitglied waren oder diese zumindest unterstützt haben. Bei einem Treffen im Februar 2020 im nordrhein-westfälischen Minden hätten die Männer über Anschläge auf Moscheen gesprochen, die einen Bürgerkrieg auslösen sollten, sagte der Vorsitzende Richter. In Gesprächen sei ausgelotet worden, wer dazu bereit sei. Potenzielle Zauderer habe der Rädelsführer mit dem Tode bedroht.

Außerdem sprach man über Waffenkäufe, viele Teilnehmer sagten Tausende Euro zur Finanzierung zu. Zuvor hatten sich die Männer in Chatgruppen vernetzt und dort ihren Hass auf Flüchtlinge und Muslime geteilt. Dort schrieben sie von „Menschenmüll“, „Dreckschweinen“ und „Untermenschen“, teilten Gewaltfantasien und Hakenkreuze. Einer der Teilnehmer berichtete aber den Sicherheitsbehörden von den Plänen, wenige Tage nach dem Treffen wurden die Männer festgenommen.

Verfahren gegen weitere rechtsextreme Terrorgruppen

Das streng gesicherte Verfahren wurde aufgrund des Umfangs und der Corona-Pandemie in die Länge gezogen. Einer der Verdächtigen war bereits vor Anklageerhebung in Untersuchungshaft gestorben. Einer der Angeklagten aus Bayern war überraschend während des Prozesses gestorben. Der Mann war nach Angaben des Oberlandesgerichts auf der Heimfahrt von einer Verhandlung im Stammheimer Hochsicherheitstrakt kurz vor seiner Wohnung tot zusammengebrochen.

Der Prozess gegen die „Gruppe S.“ ist derzeit nicht der einzige gegen mutmaßliche rechtsextreme Terrorgruppen in Deutschland. In Koblenz stehen aktuell vier Männer und eine Frau vor Gericht, die geplant haben sollen, zunächst einen großflächigen Stromausfall herbeizuführen und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Minimalist sagt:
Das ist schon schlimm, wenn jemand "Anschläge auf Moscheen geplant" hat und dafür mehrere Jahre in Haft kommt. Leider gibt es auch junge Islamisten in Deutschland, die ganz aktuell das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in Alarmbereitschaft versetzt haben. Ein Jugendlicher soll in einem Video zum "Heiligen Krieg" gegen den Westen aufgerufen und einen Terroranschlag in Deutschland angekündigt haben. So berichtet es die ARD-Tagesschau. Gegen einen 15-jährigen Deutsch-Afghanen und Telegram-Nutzer aus Burscheid bei Leverkusen erließ das Amtsgericht Leverkusen Haftbefehl. Der Verdächtige soll sich mit einem 16-jährigen Russen aus Wittstock in Brandenburg verabredet und über einen islamistischen Terroranschlag mit Brandsätzen oder einem Kleinlaster auf einen Weihnachtsmarkt oder eine Synagoge in Köln ausgetauscht haben. Laut Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf gelten beide Jugendliche als Sympathisanten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Der Russe wird von Sicherheitsbehörden der islamistischen Szene zugerechnet und soll bereits durch die Verbreitung von dschihadistischer Propaganda aufgefallen sein. Aktuell gehen Sicherheitsbehörden von einer erhöhten Gefährdungslage durch radikale Islamisten aus. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) meint, die Gefahr sei so real und so hoch wie seit langem nicht mehr. Erst Ende Oktober wurde in Duisburg der polizeibekannte Islamist Tarik S. (29) festgenommen, der im Verdacht steht, einen Anschlag auf eine pro-israelische Demonstration geplant zu haben. Terrorfahnder stellen auch einen Trend fest, dass zunehmend Minderjährige als potenzielle Täter und Attentäter in den Fokus rücken, die sehr aktionsorientiert seien. Gefahr erkannt - Gefahr hoffentlich gebannt. So lassen sich Verfassungsschützer in Milieus und Szenen mit radikalen und extremistischen Umtrieben bei ihrer Tätigkeit motivieren und anspornen. Muslimische Verbände unterstützen auch immer mehr solche Bestrebungen und bekämpfen religiöse Auswüchse und Irrwege in ihrem Umfeld.
01.12.23
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