









Milorad Dodik treibt die Abspaltung der Republika Srpska voran. Seine Politik und Rhetorik gegen Muslime wecken düstere Erinnerungen an die 1990er Jahre. Was ist los in Bosnien?
Die politische Lage in Bosnien und Herzegowina spitzt sich dramatisch zu. Milorad Dodik, Präsident der Republika Srpska, treibt offen separatistische Bestrebungen voran und strebt eine Loslösung der serbischen Entität von Bosnien mit einer möglichen Angliederung an Serbien an. Diese Entwicklungen wecken Erinnerungen an die 1990er Jahre, als nationalistische Ideologien zu einem blutigen Genozid an bosnischen Muslimen führten.
Ein Gericht in Sarajevo hat Dodik kürzlich in Abwesenheit zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt und ihn für sechs Jahre von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Der Hintergrund: Er unterzeichnete ein Gesetz, das die Entscheidungen des Hohen Repräsentanten Christian Schmidt in der Republika Srpska für nichtig erklärt – ein direkter Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung des Landes. Doch Dodik weist das Urteil als politisch motiviert zurück und erhält Rückendeckung von Serbiens Präsident Aleksandar Vučić.
Anstatt sich zu mäßigen, geht Dodik weiter auf Konfrontationskurs. Das Parlament der Republika Srpska verabschiedete Gesetze, die die Autorität der zentralen bosnischen Justiz- und Polizeibehörden in ihrem Gebiet massiv einschränken. Institutionen wie die Staatliche Ermittlungs- und Schutzagentur (SIPA) sowie der Hohe Justiz- und Staatsanwaltschaftsrat (HJPC) wurden de facto aus der Republika Srpska verbannt. Wer weiterhin für diese Institutionen tätig ist, muss mit Gefängnisstrafen rechnen. Gleichzeitig verstärkt Dodik die Sicherheitskräfte der Republika Srpska, was die Sorge vor möglichen gewaltsamen Auseinandersetzungen nährt.
Dodik verschärft seine Rhetorik gegen die bosnisch-muslimische Bevölkerung und nutzt dabei Narrative, die an die gefährlichen nationalistischen Strömungen der 1990er Jahre erinnern. Internationale Beobachter warnen, dass diese Strategie erneut zu Gewalt führen könnte. Russland spielt dabei eine Schlüsselrolle: Es unterstützt Dodik diplomatisch, wirtschaftlich und militärisch und nutzt ihn als strategisches Instrument zur Destabilisierung der EU und NATO.
Auch Serbien verfolgt eine ambivalente Linie. Während Vučić offiziell betont, Bosnien nicht weiter zu destabilisieren, erhält Dodik aus Belgrad weiterhin finanzielle und politische Unterstützung. Serbische Paramilitärs sollen Berichten zufolge in der Republika Srpska aktiv sein – ein alarmierendes Zeichen für mögliche militärische Eskalationen.
Die Idee eines „Großserbiens“ ist tief in der nationalistischen Bewegung verankert und hatte bereits im 19. Jahrhundert erste Konzepte hervorgebracht. Slobodan Milošević setzte diese Vision in den 1990er Jahren mit Krieg und ethnischen Säuberungen um, was letztlich zum Völkermord in Bosnien führte. Heute trägt Dodik diesen Gedanken weiter – und die Gefahr wächst, dass Bosnien erneut in Chaos und Gewalt versinkt.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte bekräftigte, dass das Bündnis Bosniens territoriale Integrität uneingeschränkt unterstützt. Die EUFOR-Mission wurde verstärkt, um Sicherheitsrisiken entgegenzuwirken. Während die USA und Großbritannien Sanktionen gegen Dodik verhängten, zögert die EU noch mit einheitlichen Maßnahmen. Gleichzeitig erhält Serbien trotz seiner indirekten Unterstützung für Dodik weiterhin EU-Finanzhilfen.
China wiederum baut seinen wirtschaftlichen Einfluss auf dem Balkan aus und stärkt damit indirekt Dodiks Position. All diese geopolitischen Faktoren verschärfen die Situation und lassen die Handlungsmöglichkeiten für eine effektive Krisenbewältigung immer komplexer werden.
Die Entwicklungen in Bosnien und Herzegowina deuten darauf hin, dass sich das Land an einem entscheidenden Scheideweg befindet. Während Dodik und seine Unterstützer systematisch an der Destabilisierung arbeiten, stellt sich die Frage, ob die internationale Gemeinschaft rechtzeitig handeln kann, um eine erneute Eskalation zu verhindern.